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TDA-Marktanalyse
30.03.26, 07:53 Uhr

Reisemarkt kippt im März – Winter-Plus wackelt

Der Irankrieg erschüttert den deutschen Urlaubsmarkt. TDA-Daten zeigen eine Branche im Schockzustand. Das Neugeschäft kompensiert die Verluste nicht. Die Nachfrage verschiebt sich ruckartig gen Westen. Für Veranstalter und Vertrieb beginnt jetzt die eigentliche Bewährungsprobe.

Die Nahostkrise trifft den Reisemarkt spürbar. Buchungen gehen zurück, Stornos nehmen zu und viele Reisende orientieren sich neu. Foto: iStock/matejmo
Bis Ende Februar läuft das Geschäft im deutschen Reisemarkt an und für sich stabil – wenn auch nicht mit dem typischen Schwung im Januar. Dann kippt die Lage abrupt. 

Die Angriffe auf den Iran, die wahllosen Rückschläge und das erneute Aufflammen des Konflikts im gesamten Nahen Osten machen den Februar zu einem Referenzpunkt vor einer Zäsur: Er gewährt einen letzten ungestörten Blick auf den Markt vor der Krise.

Einbruch im März

Für März meldet Travel Data Analytics (TDA) Einbrüche im Neugeschäft und hohe Stornoquoten, während sich Urlaubsströme nach Westen verlagern und die Nachfrage am Golf mehr und mehr bröckelt. Damit nicht genug: Auch die Türkei und Ägypten verzeichnen Rückgänge. Insgesamt verlieren Ziele der östlichen Mittelstrecke rund zehn Prozentpunkte.

Während der Buchungsstand zum Monatsende Februar noch ein Winterplus von vier Prozent und ein Sommerplus von sieben Prozent aufwies, sind die Neubuchungen allein in den ersten beiden Märzwochen um bis zu 16 Prozent eingebrochen.

Verschiebung gen Westen

Gleichzeitig zeigt sich eine klare Ausweichbewegung. Viele Reisende orientieren sich um und wählen verstärkt Ziele im Westen, etwa die Kanaren oder Balearen. Ziele, die erreichbar sind und wo man vermeintlich nicht „stecken bleiben“ kann. Ziele, die sich sicher und bekannt anfühlen. 

Das stützt das Veranstaltergeschäft in Teilen, sorgt aber nicht unmittelbar für eine gleichwertige Kompensation.


Winterbilanz gerät unter Druck

Für die laufende Wintersaison wird diese Entwicklung zum Risiko. Zwar ist ein Großteil der Umsätze bereits gebucht, doch die kommenden Wochen werden entscheidend. Für den Winter sind nunmehr 98 Prozent des Vorjahreskontingents gesichert, nach 90 Prozent im Januar. Tatsächlich abgereist sind jedoch erst 63 Prozent der Gäste.

Besonders wichtig bleiben damit die reisestarke Zeit zwischen März und April rund um Ostern, die für die Wintersaison noch ein relevantes Buchungs- und Abreisefenster darstellt.

Mit Blick auf die steigenden Stornoquoten bei gleichzeitig steigenden Reisepreisen infolge höherer Energiekosten dürfte das Plus in der laufenden Saison „aber kaum zu halten“ sein, so die Einschätzung von TDA.

Für die Branche ist das ein doppelter Schmerz: Einerseits verlieren klassische Wintersonnenziele wie die Emirate massiv an Nachfrage, andererseits fehlen kurzfristige Ersatzbuchungen in vergleichbarer Marge.

Vertrauensverlust droht


Besonders deutlich sind die touristischen Implikationen des Iranskriegs in der Luftfahrt: Die Eskalation im Nahen Osten führt zu Streichungen, längeren Routings und deutlich mehr operativen Risiken. Kompliziertere Umsteigeverbindungen und ein wachsendes Risiko für Anschlussverluste wirken sich auf die gesamte Reisekette aus. Aus Sicht der Passagiere: zusätzliche Hürden, die die Buchungsbereitschaft weiter dämpfen.

Ähnlich hart trifft es das Segment Kreuzfahrten. Hochseereisen am Golf lebten ohnehin von einer sensiblen Sicherheitswahrnehmung. Die geopolitische Disruption in der Region dürfte auch die Vermarktung künftiger Saisons zu einem Kunststück machen, selbst wenn ein Frieden gefunden würde.

Markt bleibt reisefreudig – aber sensibel

Die entscheidende Botschaft der jüngsten TDA-Analyse ist derzeit nicht der generelle Einbruch der Reiselust, sondern die sichtbare Verschiebung der Nachfrage. Während Ost- und Golfziele verlieren, gewinnen klassische Ausweichmärkte im westlichen Mittelmeerraum. 

Für den Vertrieb bedeutet das: Der Markt bleibt grundsätzlich reisefreudig, reagiert aber empfindlich auf Preissteigerungen, Unsicherheit und geopolitische Risiken. Gerade für die Sommersaison dürfte deshalb weniger die Frage nach der Nachfragehöhe als nach deren Zielrichtung entscheidend sein.